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Arbeitsbereich Grundkurs Deutsch

   

 

Maria Stuart I/7:

  Gliederung, Inhaltsangabe und Stellenwert

 

 

 

 

Gliederung der Szene

 

 

 

 

0.

Überleitung von I/6: Ankündigung Burleighs [V. 684-686]

 

 

 

 

1.

Anfechtung des – noch nicht genannten - Urteils durch Maria [V.687 - V.823]

 

 

 

 

1.1

Zuständigkeit des Gerichts der Zweiundvierzig? [V.687 – V.713]

 

1.2

Die Person der Richter: „edle Männer oder Opportunisten? [V.713 – V.788]

 

1.3

Staatsraison vs. Gerechtigkeit: Religiöse und nationale Unterschiede [V.789 – 823]

 

 

 

 

2.

Politische Ziele Marias und ihre Mittel [V. 824 – V.958]

 

 

 

 

2.1

Ziel: Friedliche Vereinigung von England und Schottland [V.824 – V.838]

 

2.2

Mittel 1: Aufwiegelung zum Bürgerkrieg und Anstiftung zum Hochverrat?

 

2.2.1

Burleighs Vorwurf: Verstoß gegen den „Act for The Queen’s Safety“  [V.839 – V.870]

 

2.2.2

Marias Beteuerung ihrer Unschuld und ihr Vorwurf der Rechtsbeugung (systematische Missachtung ihres Recht auf Gegenüberstellung der Belastungszeugen) [V.871 - V.928]

 

2.3

Mittel 2: Geheime Verhandlungen mit dem Katholischen Spanien: Verrat oder legitime Notwehr? [V.929 – V.958]

 

 

 

 

3.

Marias verbleibendes Ziel: Bloßstellung Elisabeths als skrupellose, das Recht beugende Machtpolitikerin [V.959 – V.974]

 

 

 

 

Strukturierte Inhaltsangabe mit Einbettung in den Gesamtzusammenhang

 

 

 

In seinem über den historischen Stoff ziemlich frei verfügenden Charakter- und Ideendrama „Maria Stuart“ gestaltet Friedrich Schiller die letzten 48 Stunden im Leben der schottischen Königin und Titelfigur, um die Idee der inneren Freiheit angesichts unabänderlicher äußerer Notwendigkeit anschaulich zu machen. Die 1800 in Weimar uraufgeführte Tragödie spielt im Jahr 1587.

 

Die hier zu analysierende Szene I/7 spielt, wie der gesamte 1. Akt, in Schloss Fotherinhay, wo Maria gefangen gehalten wird. Es geht darin anlässlich der Übermittlung des Todesurteils durch Elisabeths Großschatzmeister Lord Burleigh um die Frage nach der politischen Schuld Marias und nach der Legalität und Legitimität des Urteils. In der Auseinandersetzung wird deutlich, dass Maria ein Opfer politischer Justiz wird, d.h. sie geht aus dem Disput als moralische und rhetorische Siegerin hervor, obwohl ihre persönliche und politische Lage dadurch eher noch aussichtsloser wird.

 

 

 

Nachdem zuvor – in Akt I/4 – von Marias persönlicher Schuld die Rede war, geht es nun um ihre politische Schuld. Lord Burleigh, Elisabeths einflussreichster politischer Berater, will Maria das ihr durch Mortimer schon bekannte Urteil des „Gerichts der Zweiundvierzig“ eröffnen. Es ist das erwartete Todesurteil, das Maria, noch bevor es Burleigh überhaupt offiziell aussprechen kann, sofort angreift.

 

Maria ficht zunächst die Zuständigkeit des Gerichtshofs an, weil „jeder Angeklagte [nur] durch Geschworne / Von seinesgleichen“ [V.703f] gerichtet werden könne, weshalb sie als Königin de facto überhaupt nicht gerichtet werden kann. Dass sie vor Gericht überhaupt ausgesagt hat, erkennt sie nun als Fehler. Sie habe damit keineswegs das Gericht anerkennen wollen, sondern habe – fälschlicherweise – geglaubt, den Lords gehe es wirklich um Gerechtigkeit. Außerdem sei sie als schottische Königin sowieso nicht englischen Gesetzen unterworfen.

 

Maria zeigt sich grundsätzlich dazu bereit, Rechenschaft für ihr Handeln abzulegen, lehnt aber nun auch die Richter ab. Auf Burleighs Lobrede auf die Würdenträger Englands reagiert sie mit dem Vorwurf des Opportunismus: Ebendiese Würdenträger hätten seit dem Herrschaftsantritt Heinrichs VIII viermal ihren Glauben geändert.

 

Maria gesteht Burleigh durchaus zu, dass er anders als diese Opportunisten, nicht seinen eigenen Vorteil im Auge hat. Allerdings verwechsle er Gerechtigkeit mit Staatsraison. Im Übrigen könne kein Protestant gegen einen Katholiken und noch viel weniger ein Engländer gegen einen Schotten gerecht sein. Die historisch gewachsene Kluft hält sie für unüberbrückbar.

 

 

 

Trotz dieser Kluft gründet Maria ihren Machtanspruch auf die Vereinigung und Versöhnung Schottlands und Englands. Burleigh wirft ihr vor, dieses Ziel durch Aufwiegelung zum Bürgerkrieg und durch Anstiftung zu Hochverrat und Königsmord zu verfolgen. Namentlich sei sie durch einen Verstoß gegen den „Act For The Queeen’s Safety“ schuldig, demzufolge es für einen Schuldspruch genügt, dass die Babington-Verschwörung zu ihrem Nutzen geschehen sein, selbst wenn sie daran nicht mitgewirkt habe. Die schottische Königin weist dieses nur auf sie gemünzte Gesetz als illegitim zurück, beteuert darüber hinaus ihre Unschuld und wirft den englischen Justiz vor, gegen ihre einen Grundsätze verstoßen zu haben, indem man ihr keinen einzigen Zeugen der Anklage – weder den hingerichteten Babington noch ihre beiden Privatsekretäre – gegenübergestellt habe.

 

Auch den zweiten Vorwurf Burleighs, sie sei mit Englands Hauptfeind, dem katholischen Spanien, ein geheimes Bündnis eingegangen, weist sie zurück. Erstens sei dies der Sache nach nicht zutreffend und zweiten politisch – angesichts ihrer Notlage – grundsätzlich legitim.

 

 

 

Bezeichnenderweise hat Maria, welche die Auseinandersetzung argumentativ und den Redeanteilen nach deutlich beherrscht, auch das letzte Wort. Sie wirft Elisabeth Heuchelei vor; sie wolle an ihr, Maria Stuart, zur Absicherung ihrer Herrschaft einen Justizmord begehen und zugleich den Schein ihrer Tugend aufrechterhalten.

 

 

 

Der weitere Verlauf der Handlung zeigt, dass genau dieses Elisabeths eigentliches Problem ist. Sie möchte sich Marias entledigen, ohne selbst die persönliche und politische Verantwortung dafür tragen zu müssen. Deshalb wälzt sie zum Schluss die Verantwortung für den Vollzug des Todesurteils auf ihren Staatssekretär Davison ab.

 

Schillers Maria ihrerseits geht zunehmend erhaben und selbstbewusst ihrem Schicksal entgegen. Ihre innere Freiheit beweist sie auch damit, dass sie dem illegalen Schuldspruch der Zweiundvierzig einen höheren Sinn gibt und ihn als – nur metaphysisch gerechte – Sühne für ihre frühere persönliche Schuld akzeptiert.

 

 

 

 

 

Kriterien für eine gelungene Inhaltsangabe

 

 

 

-

eigenständige Formulierung wesentlicher Sachverhalte und Zusammenhänge

 

-

strukturierende Bemerkungen und klärende Hinweise

 

-

distanzierte Wiedergabe in angeführter Rede, dabei Differenzierung zwischen Fakten und Meinungen

 

-

sinnvolle Einbettung in den Gesamtzusammenhang

 

 

 

©zbernd

 

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